Klett-Cotta-Verlag Psychology
Wissenschaft

Organisierte rituelle Gewalt

Besonderheiten einer Traumatherapie


Mai 2019, 13. Jahrgang, Heft 2, pp 128-138

DOI 10.21706/tg-13-2-128



Zusammenfassung
In einer Trauma­therapie mit Menschen aus einem Hintergrund organisierter ritueller Gewalt sind einige Besonderheiten zu berücksichtigen. Die in den meisten Fällen damit verbundenen aktuellen Täterkontakte erschweren die Umsetzung einer konsequenten Trauma­bearbeitung. Ohne eine zuverlässige und ausreichend lange und intensiv durchgeführte Traumabearbeitung ist nach bisherigen Erfahrungen wiederum der notwendige Ausstieg aus den Täter­zusammenhängen kaum bis nicht realisierbar. Eine für beide Seiten ausreichend vertrauensgeprägte therapeutische Beziehung stellt die Basis für einen sorgsamen und schrittweisen Therapieprozess dar. Die in der Regel vorliegenden Dissoziativen Identitätsstörungen sind zumeist mit einem strukturierten Innensystem zahlreicher Innenpersönlichkeiten verbunden, die in einer inneren Hierarchie äußere Täterstrukturen abbilden und ausgeprägte Täterstrategien im inneren Mit­einander beinhalten. Eine Zusammenarbeit der Innenpersönlichkeiten mit der Außen­persönlichkeit im Alltag sowie im Inneren miteinander wird durch massive Stör­faktoren erschwert, die von den Tätern in der Regel von klein auf über Mind-Control-­Methoden installiert wurden. Eine Kooperation der Therapeutin bzw. des Therapeuten in einem ­professionellen Netzwerk sowie eine sorgsame Selbstfürsorge für sämtliche Helferinnen und Helfer sind empfehlenswert.

Abstract
Organized ritual abuse. Particularities of trauma therapy
Certain particularities must be considered when engaging in trauma therapy with people from backgrounds of organized ritual abuse. The fact that these individuals are usually still in contact with perpetrators makes it difficult to implement consistent trauma treatment. Previous experience shows that it is barely possible and sometimes even impossible to make the necessary escape from the environments controlled by perpetrators without reliable and sufficiently long and intensive trauma management. A therapeutic relationship built on sufficient mutual trust forms the basis for a careful, gradual therapy process. The dissociative identity disorders usually present are commonly associated with a structured internal system of numerous inner personalities, which represent external perpetrator structures in an internal hierarchy and include distinct perpetrator strategies in the internal relationships. Cooperation of the inner personalities with the outer personality in everyday life as well as within the inner relationships is hampered by massive disruptive factors, which usually have been constructed by the perpetrators from an early age using mind control methods. Both collaboration of the therapist with a professional network and diligent self-care for all helpers are recommended.

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