Herausgeber
Günter Seidler, Heidelberg
Harald J. Freyberger, Stralsund-Greifswald
Andreas Maercker, Zürich
Redaktionskonferenz
Harald J. Freyberger, Andreas Maercker, Günter H. Seidler, Frank Wagner
Anschrift der Redaktion
Frank Wagner, Untere Str. 13, 69514 Laudenbach
redaktion@traumaundgewalt.de
»Trauma & Gewalt« ist die erste Zeitschrift, die versucht, das zusammenzuführen, was im Umfeld psychischer Traumatisierung oft zerrissen wird:
Trauma & Gewalt geht den Weg von der Klinik dorthin, wo Gewalt entsteht.
Trauma & Gewalt diskutiert die Prävention von und richtige Entgegnung auf Gewalt.
Trauma & Gewalt verbindet die klinische Sicht mit gesellschaftlichen Perspektiven.
Ramstein, Eschede, der Tsunami - Vergewaltigung, Überfall oder fortwährende Demütigungen: wer Opfer (oder auch Zeuge) von Naturkatastrophen, Unfällen, von Gewalt durch Mitmenschen oder Folter geworden ist, wird womöglich ein Leben lang unter einem Trauma leiden. Das natürliche Schutzsystem des Menschen wird durch traumatische Ereignisse überwältigt, und er reagiert mit Ohnmacht, Hilflosigkeit, Gefühlen der Verwirrung und Panik oder Todesangst.
Trauma & Gewalt ist interdisziplinär ausgelegt. Die Zeitschrift zeigt zum einen, welche neuen Erkenntnisse und wissenschaftlichen Fortschritte es auf dem Gebiet der Traumaforschung, -diagnostik und -therapie gibt. Darüber hinaus werden Trauma und Gewalt als Phänomene der heutigen Gesellschaft beleuchtet.
Trauma & Gewalt diskutiert Wege und Methoden der Prävention und der richtigen Entgegnungen auf häusliche und kriminelle Gewalt, auf subtile Formen der Unterdrückung im zwischenmenschlichen Bereich bis hin zur Analyse zunehmend exzessiver Gewalt in sozialen und politischen Randgruppen.
Trauma & Gewalt schlägt Brücken zwischen den Disziplinen, zwischen Theorie und Praxis, über sprachliche und kulturelle Barrieren hinweg.
Im Umfeld psychischer Traumatisierung werden Zusammenhänge zerrissen. Das betrifft Zusammenhänge im Erleben der betroffenen Personen, Erinnerungsfetzen geistern durch die Seele des Opfers, sind nicht raum-zeitlich verortet und drängen sich immer und überall auf. Es betrifft auch Lebenszusammenhänge des Opfers: Die berufliche Tätigkeit ist häufig gefährdet oder geht verloren, das gleiche gilt für Partnerschaften, die Beziehungen zu anderen Menschen sind nicht mehr so wie früher, und Opfer von Gewalt erleben sich häufig aus dem Gesamt ihrer bisherigen Bezüge zu sich, zu anderen Menschen und zur »Welt« als herausgefallen, als nicht mehr zugehörig. Eine vergleichbare Unterbrechung von Zusammenhängen ist aber auch in der Beschäftigung mit dem Opfer zu erkennen. Das betrifft zum einen dessen Versorgung: Welche therapeutische Disziplin ist zuständig, welcher Kostenträger, welche Hilfseinrichtung? Zum andern betrifft es aber auch den wissenschaftlichen Diskurs. Ein Gewaltopfer wird zum Patienten oder Klienten und wird zum »Gegenstand« der Heilberufe. Das, was zu seiner Not führte, die Gewalt, wird in diesem Rahmen nicht mehr Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion. Eine solche Dissoziation, ein solches Auseinanderreißen von Ereignis und Ereignisfolge, macht diese Zeitschrift nicht mit. Diese Schein-Alternative von Innen und Außen, von Subjektivem und Objektivem, verkennt, dass es sich bei dieser Alternative um einen in die Welt hineingetragenen Dualismus handelt, der bei genauer, sorgfältiger Betrachtung und Beschreibung in sich zusammenfällt. So trägt diese Zeitschrift ihr Programm im Titel: Gewalt verursacht Wunden, die ihrerseits wieder Ursache von Gewalt sein können. Auf diesem Hintergrund verstehen wir Psychotraumatologie als klinisches Anwendungsfeld der über greifenden Thematik von Gewalt und Gewaltbereitschaft und ihrer Folgen und Bedingungen, wobei »Gewalt« in der Natur ebenso zu finden ist (als »Naturgewalt«) wie im sozialen und psychischen Raum. Die so verstandene »Gewalt« ist aber wiederum nur als interdisziplinäres Gegenstandsfeld einigermaßen angemessen begrifflich zu fassen und forschungsmäßig zugänglich zu ma chen. In dieser Zeitschrift versammeln wir also Beiträge zur Psychotraumatologie und zur Gewaltforschung. Das können empirische Arbeiten sein, es kann sich aber auch um theoretische Arbeiten handeln, in denen versucht wird, dieses komplexe Feld gedanklich zu ordnen. Theorie erwächst aus der Praxis. Deshalb veröffentlicht diese Zeitschrift auch »Beiträge aus der Praxis«, die mehr oder weniger theoretisch unterfüttert sein kön nen. Wir sind der Über zeugung, dass jeder, der in diesem Feld arbeitet, über unschätzbare Erfahrungen verfügt, die seinen Patientinnen und Patienten zugute kommen, die aber auch für die Kollegin, den Kollegen von Interesse sein werden, zum Nutzen weiterer Betroffener. Und schließlich stellen die Gebiete der Psychotraumatologie und der Gewaltforschung eine »Szene« dar, mit Fachgesellschaften, Tagungen, Netzwerken und anderen vielfältigen Beziehungsgeflechten. Auch darüber wird die Zeitschrift informieren, in einem Teil, den wir »Forum« genannt haben.